SEAMLINE PROJECT

GU QIONG hebt den Objektcharakter der Kleidung hervor

Kleidung ist konstruiert. Wo soll welche Naht sitzen, auf welcher Höhe die Taschen, Revers ja oder nein? Zu all diesen Fragen werden im Designprozess Entscheidungen gefällt – in der Industrie ebenso wie in der Haute Couture. Im alltäglichen Gebrauch rücken diese gestalterischen Details in den Hintergrund, geraten in Vergessenheit. Es bleibt eine textile Hülle, die den Körper einkleidet. Gu Qiong betont mit ihrem Projekt „Seamline“ den Objektcharakter der Kleidung, indem sie Nähte mit Steppungen und leuchtenden Garnen hervorhebt. Bei der Farbwahl bezieht sie sich auf die Lehre der traditionellen chinesischen Philosophie.

„Die Schnitte und das Aussehen von Kleidung ist uns so geläufig, dass wir sie oft als selbstverständlich ansehen und ihre Stimmung wenig achten. Und Ja, die haben sie!“ Gu Qiong

Holz, Feuer, Metall, Wasser und Erde sind die Basis der Fünf-Elemente- Lehre, der zufolge sich alle Dinge in die fünf Grundelemente aufteilen lassen. Unmittelbar aus der Natur abgeleitet, beschreiben sie alles Leben unter den Gesichtspunkten Werden, Wandlung und Vergehen. Gelb steht für Metall, Grün für Holz, Blau für Wasser, Braun für die Erde und Rot für Feuer. Sie alle stehen in einem Verhältnis zueinander und sind auf das Gleichgewicht der Natur angewiesen. Auf dem transparenten Organza der geradlinigen Kollektionsteile treten die Konstruktionslinien durch die Farbigkeit hervor. Sie symbolisieren auf poetische Weise den individuellen Charakter der Kleidung, einem emotionalen Produkt, das konstant in einer Beziehung mit der Natur steht.