Zukünftige Messeformate – Die Macher der MUNICH FABRIC START im Gespräch

Über zukünftige Messeformate, das Spannungsfeld zwischen Poesie und Problemlösung sowie die Möglichkeiten des Digital Fabric Labs.

IN DEN LETZTEN SAISONS HAT SICH DIE MUNICH FABRIC START FLÄCHENMÄSSIG ENORM VERGRÖSSERT. IM SEPTEMBER ERÖFFNEN SIE MIT DEM RELAUNCH DER DER SOURCING AREA HALLE 8.

Sebastian Klinder: Ja, das ist richtig. Wir haben innerhalb der letzten vier Jahre sukzessiv die Ausstellungsfläche erweitert. Wir haben die BLUEZONE um den CATALYZER ergänzt. Das KEYHOUSE als Think Tank erfolgreich positioniert und werden jetzt den so wichtigen Bereich des SOURCING neu aufsetzen. Bei dieser gewachsenen Entwicklung steht jedoch nie die reine Flächenerweiterung im Vordergrund, sondern in erster Linie der strategische Ansatz, neue relevante Felder in einem individuellen, exklusiven und adäquaten Rahmen abzubilden. Das ist uns bislang gelungen und treibt uns an, den Fokus auf relevante Marktentwicklungen und einen Mehrwert an Informationen für die Branche zu legen.

IST DAS DIE DEFINITION DES ZUKÜNFTIGEN MESSEFORMATES?

Frank Junker: Unserem Verständnis nach ja. Unsere Aufgabe und Verantwortung ist es, zu beobachten und sehr genau hin zu hören. Zu schauen, wie entwickelt sich der Markt? Wo sind gravierende Ausschläge? Was bewegt die Branche? Und als logische und verantwortliche Konsequenz, Antworten zu geben, Impulse zu setzen. Wir tun dieses mit größtem Engagement. Und mit der Unterstützung ausgewiesener Experten, nicht nur in bilateralen Gesprächen, sondern ganz offen und präsent in unseren zahlreichen Panels, Diskussionen und Round Tables, aber auch durch Kooperationen mit etablierten Partnern.
Wir laden alle Aussteller und Besucher, Designer, Einkäufer und Produktmanager ein, sich an diesen Projekten zu beteiligen, das Know-how zu nutzen für ihre alltäglichen Prozessabläufe und Produktentwicklungen. Zunehmendes Interesse an diesen Performances signalisieren inzwischen auch artfremde Branchen wie die Automobilindustrie oder der Interieur-Bereich. Was wir natürlich sehr begrüßen.

SIE PRÄSENTIEREN DIE JEWEILIGEN SECTIONS IN EINEM GANZ SPEZIELLEN RAHMEN, MIT SEHR VIEL AUFMERKSAM¬KEIT FÜR ATMOSPHÄRE UND GESTALTUNG.

Frank Junker: Wir sind in einer sehr kreativen und emotionalen Branche unterwegs. Hier geht es längst nicht mehr nur um den einen Stoff, die eine Farbe, den einen Trend. Es geht um mehr als um Mode. Dieses Bewusstsein möchten wir veranschaulichen, erlebbar, konkret und verständlich machen. Nehmen Sie zum Beispiel Nachhaltigkeit. Ein polarisierendes, sensibles und anspruchsvolles Thema, das als solches auch alle Aufmerksamkeit sowie den entsprechend kuratierten Rahmen verdient. Oft entstehen dabei neuartige Spannungsfelder wie bei der aktuellen Präsentation der Sustainable Innovations im KEYHOUSE. Da treffen Poesie und Problemlösung aufeinander. Hier schaffen wir gestalterische Verbindungstools in Form von Bildern, Objekten, Interaktionen. So werden Geschichten neu erzählt und führen im unmittelbaren Dialog zu überraschenden Ergebnissen. Zu Inspiration. Das ist gelebte und erlebte Kreativität mit größtmöglicher Effizienz.

WAS IST DAS HERAUSFORDERNDE THEMA DER ZUKUNFT DER BRANCHE?

Sebastian Klinder: Zukünftige Schlüsselthemen sehen wir in der Digitalisierung von Stoffen und Zutaten. Wir sind davon überzeugt, dass es in den nächsten Jahren zu jedem präsentierten Stoff oder Knopf einen ‘digitalen Zwilling‘ geben wird. Durch diesen Analyseprozess kann die Geschwindigkeit in der Produktion um ein Vielfaches gesteigert werden.
Ein Szenario könnte sein, dass zukünftig standardisierte digitale Daten mit entsprechenden Materialparametern von Seiten der Zulieferindustrie der Modeindustrie zur Verfügung gestellt werden, um diese schnell und effizient in entsprechende Simulationssoftware übertragen zu können.
Zur kommenden MUNICH FABRIC START werden wir erste Ansätze dieser technischen Möglichkeit in Form eines Digital Fabric Lab im KEYHOUSE abbilden und so mit Hilfe von Digital-Stationen den Prozess der Stoff-Digitalisierung demonstrieren. Ein sehr spannendes und aus meiner Sicht auch herausforderndes Thema für die Industrie mit viel Potenzial.
Hier früh und kompetent mit starken Partnern anzusetzen, eine öffentliche und mediale Plattform zu bieten und ganzheitliche Kooperationen zu initiieren, gehören zu unseren elementarsten Aufgaben als Messeveranstalter.

An dieser Stelle möchten wir unseren herzlichen Dank an die zahlreichen Experten richten, mit denen wir langjährig zusammenarbeiten – Danke für euer großes Engagement, euren Input, das Vertrauen, immer neue Visionen, euer Know-how und die uneingeschränkte Unterstützung. Das Ergebnis ist überwältigend und motiviert uns, diesen Weg mutig und konsequent gemeinsam weiterzugehen.