Es wird oft argumentiert, dass die Modebranche stets vom Neuen fasziniert ist: neue Fasern, neue Veredelungen, neue Technologien, die versprechen, die Branche zu revolutionieren. Es scheint jedoch, dass einige der spannendsten Innovationen gar nicht mit einer Erfindung beginnen, sondern damit, ein Handwerk wiederzuentdecken, das seit Jahrzehnten still und leise existiert, und zu fragen, was daraus werden könnte.
Vom 14. bis 16. Juli 2026 haben Besucher des „Sustainable Innovation“-Bereichs auf der Munich Fabric Start die Gelegenheit, genau das anhand der Arbeiten von Maison du Flock zu entdecken.
Das 2022 gegründete, in den Niederlanden ansässige Atelier hat sich auf experimentellen Flockdruck in limitierter Auflage für Luxusmarken und Haute Couture spezialisiert. In einer Zeit, in der die Modebranche nach neuen Wegen sucht, Handwerkskunst mit Innovation zu verbinden, zeigt Maison du Flock, dass eine etablierte Textiltechnik uns immer noch überraschen kann.
„Das Studio arbeitet mit den unterschiedlichsten Materialien – von zartem Tüll und Spitze bis hin zu Leder, Pailletten und anderen unkonventionellen Stoffen – und hat die Flocktechnik in eine zeitgemäße Designsprache verwandelt, die den Anforderungen der Luxusmode und der Haute Couture gerecht wird. Jedes Projekt stellt gängige Vorstellungen darüber in Frage, wo diese Technik eingesetzt werden kann und wie Textur sowohl die Handwerkskunst als auch das Geschichtenerzählen bereichern kann.“

Flock neu interpretiert für den Luxusbereich
Für viele ist Flock zwar ein vertrauter Begriff, wird aber selten gewürdigt. Bei diesem elektrostatischen Verfahren werden feine Fasern auf den Stoff aufgebracht, wodurch eine unverwechselbare, samtartige Oberfläche entsteht, die dem Stoff Fülle, Tiefe und Haptik verleiht. In der Vergangenheit wurde diese Technik oft mit dekorativen Anwendungen in Verbindung gebracht.
Maison du Flock sieht darin etwas ganz anderes.
Das Studio arbeitet mit den unterschiedlichsten Materialien – von zartem Tüll und Spitze bis hin zu Leder, Pailletten und anderen unkonventionellen Stoffen – und hat Flock in eine zeitgenössische Designsprache verwandelt, die den Ansprüchen der Luxusmode und der Haute Couture gerecht wird. Jedes Projekt hinterfragt gängige Vorstellungen darüber, wo diese Technik eingesetzt werden kann und wie Textur sowohl die Handwerkskunst als auch das Storytelling bereichern kann.
Wie die Gründer Eugène und Annika erklären:
„Es bringt das Beste in uns beiden zum Vorschein.“
Diese einfache Aussage fasst den Geist eines Ateliers zusammen, das von technischer Neugier und dem gemeinsamen Bestreben angetrieben wird, die Grenzen dessen, was mit Flock erreicht werden kann, kontinuierlich zu erweitern.
Innovation durch Handwerkskunst
In der Modebranche besteht die Tendenz, Innovation und Handwerkskunst so zu behandeln, als gehörten sie in getrennte Diskurse. Maison du Flock beweist still und leise das Gegenteil.
Das Studio arbeitet mit Luxusmodehäusern in den Niederlanden, Frankreich, Italien und Spanien zusammen und kooperiert gleichzeitig mit Fasernovatoren, Textil-Start-ups und Industriepartnern, um völlig neue Anwendungsmöglichkeiten für Flock zu erforschen. Hier ist Handwerkskunst nicht statisch. Sie entwickelt sich durch Forschung, Experimente und Zusammenarbeit ständig weiter.
Bei Innovation geht es schließlich selten darum, etwas aus dem Nichts zu erschaffen. Es geht vielmehr darum, unsere Sichtweise zu verändern.
Mit Blick auf eine stärker kreislauforientierte Zukunft
Diese Denkweise geht über die Ästhetik hinaus.
Im Rahmen des FLOCC-Projekts untersucht Maison du Flock, wie aus postindustriellen Textilabfällen natürliche Flockfasern hergestellt werden können. Durch die Umwandlung bestehender Abfallströme in hochwertige Oberflächenmaterialien zeigt das Projekt, dass Luxus und Nachhaltigkeit sich gegenseitig stärken können, anstatt miteinander zu konkurrieren.
Dies spiegelt auch einen umfassenderen Wandel wider, der sich derzeit in der gesamten Textilindustrie vollzieht. Die Zukunft wird nicht einfach durch bahnbrechende Materialien bestimmt werden. Sie wird von kreativen Partnerschaften geprägt sein, die etablierte Prozesse hinterfragen, bestehende Ressourcen neu überdenken und die Möglichkeiten traditioneller Handwerkskunst erweitern.
Besucher, die im Juli auf der Munich Fabric Start den Bereich „Sustainable Innovation“ erkunden, werden mehr als nur ein außergewöhnliches Druckatelier entdecken. Sie werden ein Unternehmen kennenlernen, das neu definiert, wie traditionelle Techniken zur Zukunft der Mode beitragen können. Denn manchmal ist die spannendste Innovation nicht die neueste Technologie. Manchmal besteht sie darin, ein übersehenes Handwerk mit völlig neuen Augen zu betrachten.
DAS KÖNNTE FÜR SIE AUCH INTERESSANT SEIN:
MUNICH FABRIC START – Januar 26 Abschlussbericht
30. Januar 2026
Eine solide Messe. Eine optimistische Stimmung. So lässt sich das Ergebnis der MUNICH FABRIC START zusammenfassen. Nach drei Tagen ging die Münchner Textilmesse gestern, Donnerstag, mit den integrierten Show-in-Shows BLUEZONE, KEYHOUSE und THE SOURCE zu Ende. Die MUNICH FABRIC START schloss mit einer im Vergleich zur Vorveranstaltung stabilen Besucherfrequenz ab.
MUNICH FABRIC START – Between Attitude and Sensuality
26. Januar 2026
Die Zukunft beginnt dort, wo wir sie neu erfinden. Das übergreifende Thema von PLEASURE steht für Mode als emotionalen Raum, als Ausdruck von Haltung und kultureller Reflexion.
Cartoon – Fashion for courage, joie de vivre and self-realisation
21. Januar 2026
Embark on this fashionable journey and discover the new Cartoon collection at our store. Be inspired, mix and match to your heart's content, and wear optimism—every day, for every occasion.
KnitForm+ by Jeanne Mora – SUSTAINABLE INNOVATIONS
20. Januar 2026
Entscheidend ist, wie das Textil reagiert: wie es das Volumen reguliert, den Druck verteilt und von flachen in dreidimensionale Zustände übergeht. Die Transparenz des Prozesses ist in der Methodik selbst verankert.
RETRAKT – SUSTAINABLE INNOVATIONS
19. Januar 2026
Leistung wird in diesem Zusammenhang anhand der organisatorischen Resilienz gemessen. RETRAKT nutzt Resilienz-Engineering, um Mitarbeitern dabei zu helfen, komplexe und sich ändernde Anforderungen zu antizipieren, zu überwachen, darauf zu reagieren und daraus zu lernen.
MATERIA FUTURA – SUSTAINABLE INNOVATIONS
18. Januar 2026
Materia Futura schlägt weder eine neue Kategorie von Biomaterialien noch ein fertiges kommerzielles Textil vor. Das Besondere an diesem Projekt ist seine designorientierte Untersuchung der emotionalen und ästhetischen Dimensionen biobasierter Materialien, ein Bereich, der in der Nachhaltigkeitsdebatte oft vernachlässigt wird.
THREADED PROTOCOLS – SUSTAINABLE INNOVATIONS
17. Januar 2026
Threaded Protocols ist weder eine textile Innovation im kommerziellen Sinne noch ein digitales Werkzeug, das als Handwerk getarnt ist. Was die Arbeit auszeichnet, ist ihre materielle Untersuchung darüber, wie computergestützte Logik in der Textilpraxis ihren Ursprung findet und was verloren geht, wenn diese Logiken in undurchsichtige technologische Systeme abstrahiert werden.
MARIE VILAY – SUSTAINABLE INNOVATIONS
16. Januar 2026
Marie Vilay präsentiert weder einen neuen Stoff noch eine neue Produktionstechnik. Was ihre Arbeit auszeichnet, ist eine Methode des Lesens und Übersetzens von textilem Wissen über Kulturen, Systeme und Momente des Wandels hinweg.
Interview mit Simon Angel, Kurator der SUSTAINABLE INNOVATIONS
15. Januar 2026
Für mich ist Neuheit an sich nie genug; ich blicke immer hinter die Kulissen, suche nach Geschichten, Paradoxien, Schmerz, Vergnügen und Sinn. Technische Leistung ist wichtig, aber sie ist nur ein Ausgangspunkt. Worauf ich achte, ist, ob ein Projekt eine ehrliche Frage darüber stellt, wie wir leben, produzieren und bewerten.
MUNICH FABRIC START – September 25 Abschlussbericht
4. September 2025
Bei ihrer 56. Ausgabe hat die MUNICH FABRIC START ihre klare Positionierung bekräftigt. An zwei Tagen brachte die Münchner Textilmesse mit ihren vier Show-in-Show-Formaten die Modebranche zusammen.

















