KnitForm+ ist kein neues Garnsystem und keine Oberflächeninnovation. Was es von anderen unterscheidet, ist die Verwendung von Strick als strukturelle Designmethode, bei der Form, Volumen und Stabilität direkt durch die textile Konstruktion erzeugt werden und nicht durch Rahmen, Polsterungen oder starre Stützen vorgegeben werden.
KnitForm+ wurde von der Designerin Jeanne Mora entwickelt und positioniert das Stricken als Konstruktionssprache. Die Architektur der Maschen, die Spannung und die maschinellen Einschränkungen werden zu den primären Formgebenden Faktoren. Anstatt diese Einschränkungen als technische Probleme zu betrachten, behandelt Mora sie als Designparameter, die das Verhalten aktiv beeinflussen. Das Ergebnis ist eine Reihe von gestrickten Strukturen, die sich durch ihre eigene Materiallogik falten, komprimieren, aufblasen und ausdehnen lassen.
Die Herkunft des Materials ist bewusst zweitrangig gegenüber der Struktur. KnitForm+ wird nicht als Faserinnovation präsentiert, sondern als ein System, mit dem das Verhalten von Strickwaren auf verschiedenen Materialbasen bearbeitet werden kann. Was zählt, ist, wie das Textil reagiert: wie es das Volumen reguliert, den Druck verteilt und von flachen zu dreidimensionalen Zuständen übergeht. Die Transparenz des Prozesses ist in der Methodik selbst verankert. Jede Form entsteht durch iterative Probenahme, strukturelle Tests und maschinelle Experimente und nicht durch dekorative Veredelung.
„Entscheidend ist, wie das Textil reagiert: wie es das Volumen reguliert, den Druck verteilt und von flachen in dreidimensionale Zustände übergeht. Die Transparenz des Prozesses ist in der Methodik selbst verankert.“

Skalierbarkeit wird durch Anpassungsfähigkeit erreicht. KnitForm+ ist derzeit ein Forschungs- und Design-Framework, keine Produktlinie. Seine Logik lässt sich auf Möbel, Innenausstattung und Raumgestaltung anwenden, erfordert jedoch die Zusammenarbeit mit industriellen Strickereien. Das Projekt ist daher grundsätzlich skalierbar, wurde jedoch bewusst nicht zu vorgefertigten Typologien vereinfacht.
Die Leistungsfähigkeit wird eher durch das Verhalten als durch Komfortansprüche definiert. Die gestrickten Strukturen zeichnen sich durch kontrollierte Flexibilität, Kompression und Verformbarkeit aus. Bei Stücken wie dem aufblasbaren Strickstuhl, der gemeinsam mit TextielLab in Tilburg entwickelt wurde, reguliert das Textil Volumen und Druck allein durch die Maschenkonstruktion. Der Kompromiss ist klar: Diese Systeme erfordern eine präzise Maschinensteuerung und ein tiefes Verständnis der Materialien, reduzieren aber im Gegenzug den Bedarf an sekundären Konstruktionsschichten.
Im breiteren Branchenkontext stellt KnitForm+ die Trennung zwischen Textildesign und Produktentwicklung in Frage. Es positioniert das Stricken als Werkzeug zur Lösung struktureller Probleme und nicht zur Gestaltung von Oberflächen. Für Möbeldesigner, Textilentwickler und Hersteller bedeutet dies eine Verlagerung von Textilien als Bezüge hin zu Textilien als Gerüsten.
KnitForm+ erhebt nicht den Anspruch, die Produktion zu optimieren oder Nachhaltigkeit durch Materialersatz zu erreichen. Sein Beitrag ist grundlegender. Es schlägt vor, dass Textilien aktive Konstruktionssysteme sein können, die in der Lage sind, Form, Verhalten und Funktion direkt zu gestalten.
Für Jeanne Mora misst sich Erfolg nicht an der Reproduzierbarkeit von Produkten, sondern daran, Stricken als strukturelle Design-Disziplin mit industrieller Relevanz zu etablieren. Bei KnitForm+ geht es weniger darum, wie Stricken aussieht, sondern vielmehr darum, was Stricken leisten kann.
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