Was wäre, wenn die Zukunft des Leders nicht vom Land käme?

SUSTAINABLE INNOVATIONS

10. Juli 2026

Seit Jahrzehnten dreht sich die Suche nach Alternativen zu Leder um eine Frage: Was kann Leder ersetzen?

Es gab bereits Myzel, Ananasblätter, Kakteen und sogar Apfelabfälle. Jedes neue Material verspricht, den ökologischen Fußabdruck der Modebranche zu verringern und gleichzeitig die Eigenschaften von traditionellem Leder nachzuahmen. Nun betritt die Designerin und Forscherin Indrė Mikuckė die Bühne und lädt uns ein, eine ganz andere Möglichkeit in Betracht zu ziehen.

Mit der Natur gestalten, nicht gegen sie

Im Rahmen ihres Forschungsprojekts „Leather from the Sea“ untersucht Indrė, wie Algen, natürliche Inhaltsstoffe und aus Algen gewonnene Bindemittel durch einen Prozess aus Mischen, Gießen und kontrollierter Trocknung in flexible Biomaterialien umgewandelt werden können. Die so entstehenden Oberflächen sollen Leder nicht perfekt imitieren.

Stattdessen zelebrieren sie die subtilen Unregelmäßigkeiten, Texturen und Farbnuancen, die während des Herstellungsprozesses auf natürliche Weise entstehen. Jedes Muster spiegelt die unvorhersehbare Schönheit der Materialien selbst wider und schafft Oberflächen, die sich sowohl vertraut als auch völlig neu anfühlen.

Anstatt die Natur zu zwingen, sich industriellen Erwartungen anzupassen, fragt das Projekt danach, was passiert, wenn Design mit natürlichen Prozessen zusammenwirkt. Es ist eine subtile Veränderung. Aber eine wichtige.

„Durch praktisches Experimentieren erkunde ich das Potenzial neuer Oberflächen und alternativer Lederformen, mit dem Ziel, das menschliche Leben wieder mit der Natur als einem miteinander verflochtenen Gefüge zu verbinden.“

Über den Materialersatz hinausblicken

Die Sache ist die: In der Modebranche wird Materialinnovation oft als Ersatzprozess betrachtet. Eine Faser ersetzen. Eine Beschichtung ersetzen. Ein Material durch ein anderes ersetzen. „Leather from the Sea“ stellt diese Denkweise jedoch in Frage.

Anstatt einfach nur nach einem direkten Ersatz zu suchen, erforscht Indrė eine völlig andere Beziehung zwischen Designern, Materialien und der Natur. Meeresressourcen werden zu mehr als nur Rohstoffen. Sie werden zu Partnern bei der Entwicklung zukünftiger Biomaterialien, die die Umweltbelastung minimieren und gleichzeitig neue kreative Möglichkeiten für Mode, Accessoires und Innenausstattung eröffnen.

Wie sie erklärt:

„Durch praktische Experimente erkunde ich das Potenzial neuer Oberflächen und alternativer Lederformen, mit dem Ziel, das menschliche Leben wieder mit der Natur als einem miteinander verbundenen Gefüge zu verbinden.“

Es ist eine Philosophie, die das Experimentieren mit Materialien in den Mittelpunkt des ökologischen Denkens stellt und zeigt, dass es bei Innovation ebenso sehr um die Veränderung unserer Beziehung zur Natur geht wie um die Veränderung von Materialien.

Materialien, über die noch diskutiert wird

Einer der überzeugendsten Aspekte von „Leather from the Sea“ ist, dass das Projekt nicht vorgibt, alle Antworten zu haben. Die Materialien befinden sich noch in der Entwicklung, und es wird kontinuierlich an ihrer Haltbarkeit, ihren zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten und ihrer Leistungsfähigkeit in den Bereichen Mode, Accessoires, Innenausstattung und experimentelles Design geforscht.

Darin liegt eine gewisse Ehrlichkeit.

Innovation wird oft als fertiges Produkt präsentiert – ordentlich verpackt und marktreif. Forschung funktioniert jedoch selten so. Sie ist iterativ, experimentell und entwickelt sich ständig weiter. Vielleicht sind Projekte wie „Leather from the Sea“ gerade deshalb so wichtig.

Besucher, die im Juli dieses Jahres den Bereich „Sustainable Innovation“ auf der Munich Fabric Start erkunden, werden nicht einfach nur eine weitere Lederalternative entdecken. Sie werden auf einen Designer treffen, der tiefgreifendere Fragen dazu stellt, wie Materialien konzipiert, entwickelt und bewertet werden. Denn die Zukunft der Mode hängt möglicherweise nicht allein davon ab, neue Ressourcen zu finden.

Sie hängt vielleicht davon ab, dass wir lernen, bewusster mit den Ressourcen umzugehen, die die Natur uns bereits zur Verfügung gestellt hat. Besuchen Sie unbedingt den Bereich „Sustainable Innovation“ auf der Munich Fabric Start, die vom 14. bis 16. Juli 2026 stattfindet.

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