Materia Futura schlägt weder eine neue Kategorie von Biomaterialien noch ein fertiges kommerzielles Textil vor. Das Besondere an diesem Projekt ist seine designorientierte Untersuchung der emotionalen und ästhetischen Dimensionen biobasierter Materialien, ein Bereich, der in der Nachhaltigkeitsdebatte oft vernachlässigt wird. Materia Futura wurde von Alessia Pasquini und Beatriz Sandini gegründet und stellt eine direkte Frage: Warum wird von nachhaltigen Materialien immer noch erwartet, dass sie roh, gedeckt oder rein funktional aussehen?
Materia Futura wurde Anfang 2025 als Designforschungsprojekt ins Leben gerufen und untersucht, wie Biomaterialien durch Schimmer, Irisieren, Oberflächentiefe und visuelle Bewegung die Sinne ansprechen können. Anstatt diese Eigenschaften als oberflächlich zu betrachten, positioniert das Projekt sie als entscheidend für die menschliche Verbindung und die langfristige Akzeptanz von Materialien. Die ersten Ergebnisse wurden auf der Dutch Design Week 2025 im Rahmen der Ausstellung „Basic Instinct: Making–With“ präsentiert. Die erste Phase der Forschung wurde in Zusammenarbeit mit Paulina Martina, einer Digitaldesignerin, entwickelt, die an der Virtual-Reality-Komponente arbeitete. Ein Teil dieser ersten Phase konzentrierte sich darauf, eine Verbindung zwischen den physischen Materialien und der virtuellen Welt herzustellen. Weitere Informationen zu diesem Aspekt finden Sie auf der Website von Materia Futura.
„Nachhaltigkeit sollte nicht nur verantwortungsbewusst, sondern auch begehrenswert sein – sie sollte schimmern, leuchten und unsere Sinne ansprechen.“
Die Arbeit kombiniert Experimente mit biobasierten Materialien mit traditionellen Handwerkstechniken und nutzt praktische Verfahren, um über die typischerweise mit nachhaltigem Design verbundene Bildsprache hinauszugehen. Effekte wie Farbverschiebungen, Moiré-Muster und mehrschichtige Texturen werden nicht als Dekoration, sondern als inhärente Materialausdrucksformen untersucht, die von Naturphänomenen inspiriert sind. Während in früheren Phasen des Projekts die Verbindungen zwischen physischen Materialien und digitalen oder immersiven Umgebungen untersucht wurden, überprüfen die Designer derzeit, wie und ob diese Komponenten in zukünftigen Iterationen weitergeführt werden sollen.
Materia Futura befindet sich derzeit in einer Forschungs- und Erkundungsphase. Die entwickelten Materialien sind noch nicht für die sofortige industrielle Produktion oder die Integration in Kollektionen vorgesehen. Stattdessen fungiert das Projekt als Provokation und Testfeld für Designer, Materialentwickler und Marken, die daran interessiert sind, die Wahrnehmung, Kommunikation und Nachfrage von Nachhaltigkeit zu erweitern.
Im weiteren Materialkontext stellt Materia Futura die Annahme in Frage, dass verantwortungsbewusste Materialien visuell zurückhaltend sein müssen, um glaubwürdig zu sein. Sein Beitrag besteht darin, Nachhaltigkeit als etwas neu zu definieren, das sinnlich, ausdrucksstark und kulturell resonant sein kann, ohne dabei seine biologischen oder ethischen Grundlagen zu leugnen.
Für Pasquini und Sandini definiert sich Erfolg nicht durch ein einzelnes materielles Ergebnis, sondern durch die Schaffung von Raum für eine reichhaltigere, emotional intelligentere Zukunft für biobasiertes Design.
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