Was wäre, wenn das nachhaltigste Produkt dasjenige wäre, das ständig neu erfunden wird?

SUSTAINABLE INNOVATIONS

13. Juli 2026

Die Mode- und Textilbranche versucht seit Jahren, eine Frage zu beantworten: Wie können wir Produkte langlebiger machen? Die Antworten konzentrierten sich bislang vor allem auf widerstandsfähigere Fasern, bessere Verarbeitung und nachhaltigere Materialien. Doch was, wenn es bei der Langlebigkeit nicht nur darum geht, wie lange ein Produkt hält? Was, wenn es darum geht, wie viele verschiedene Leben es führen kann?

Besucher des Bereichs „Sustainable Innovation“ auf der Munich Fabric Start entdecken ein Projekt, das genau diese Frage mit „The Modular Costumes“ von Emilie Sandré Design in den Mittelpunkt stellt.

Design für die Fantasie

Für viele von uns begann das Verkleiden schon lange bevor wir ein Kostüm besaßen. Ein Schal wurde zum Umhang. Ein Gürtel wurde zum Schwert. Ein Paar viel zu große Schuhe verwandelte uns in jemand ganz anderen. Die Designerin Emilie Sandré erinnert sich noch gut an dieses Gefühl.

Als Kind hatte sie unendliche Freude daran, Schals, Schmuck und Accessoires aus dem Kleiderschrank ihrer Großmutter zu kombinieren, um sich eigene Figuren auszudenken. Doch bei den heutigen Kinderkostümen ist die Geschichte oft schon vorgeben: Pirat, Prinzessin oder Ritter – da bleibt wenig Raum für Fantasie. Die „Modular Costumes“ wurden entwickelt, um das zu ändern.

Anstatt fertige Kostüme zu entwerfen, hat Emilie ein System aus austauschbaren Modulen und Verbindungsstücken entwickelt, das Kinder selbst zusammenstellen können. Es gibt keine vorgegebenen Figuren, keine festgelegten Geschichten und keine Regeln außer der Neugier. Jede neue Kombination wird zu einer weiteren Gelegenheit, Geschichten zu erzählen.

„Ich entwerfe keine fertigen Produkte, sondern Systeme von Möglichkeiten, in denen der Nutzer zum Schöpfer wird.“

Modularität jenseits der Funktion

Modularität ist kein neues Konzept. Seit Jahrzehnten prägt sie Architektur, Möbel und Industriedesign. Ihre Anwendung auf weiche Textilien eröffnet jedoch eine ganz neue Dimension.

Jede Komponente von „The Modular Costumes“ wird in Paris aus luxuriösen Restbeständen und Musterbüchern lasergeschnitten, die sich sonst nur schwer wiederverwerten ließen. Der größte Beitrag des Projekts liegt jedoch nicht lediglich in der Wiederverwendung von Materialien.

Es ist die Idee, dass Produkte, die für eine kontinuierliche Neuerfindung konzipiert sind, von Natur aus nicht so schnell veralten. Ein Kostüm ist nicht länger ein einzelnes Objekt mit einem begrenzten Verwendungszweck. Es wird zu einem sich weiterentwickelnden kreativen System, das durch unendliche Kombinationsmöglichkeiten gemeinsam mit seinem Träger wächst.

Bei Innovation geht es schließlich nicht immer darum, etwas Neues zu schaffen. Manchmal geht es darum, aus einem Produkt viele zu machen.

Gestaltung für das Spiel

Der vielleicht überzeugendste Aspekt von „The Modular Costumes“ ist, dass das Spiel in den Mittelpunkt des nachhaltigen Designs gerückt wird.

In einer Welt, die zunehmend von digitalen Erlebnissen geprägt ist, lädt Emilie Kinder dazu ein, sich durch Berührung, Experimentieren und Fantasie mit Materialien auseinanderzusetzen. Das Anziehen wird zu einem kreativen Akt, der Neugierde statt Konsum fördert. Workshops in Schulen, Cafés und Ausstellungsräumen tragen diese Philosophie über das Produkt hinaus weiter und schaffen gemeinsame Erlebnisse, die Kreativität und Entdeckungsfreude zelebrieren.

Besucher, die vom 14. bis 16. Juli 2026 den Bereich „Sustainable Innovation“ auf der Munich Fabric Start erkunden, werden weit mehr als nur ein innovatives Kinderprodukt vorfinden. Sie werden eine andere Art entdecken, über Design selbst nachzudenken. Denn vielleicht lässt sich die größte Form der Langlebigkeit nicht in Jahren messen. Sie lässt sich in Möglichkeiten messen.

Man sollte sich vor Augen halten, dass die Produkte, die wir am meisten schätzen, oft diejenigen sind, die uns immer wieder überraschen – was uns wiederum dazu einlädt, sie lange nachdem sie in unser Leben getreten sind, neu zu gestalten, neu zu erfinden und uns sie neu vorzustellen.

WEBSITEIG: emelie.sandre.designLINKEDIN

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