Die Mode- und Textilbranche versucht seit Jahren, eine Frage zu beantworten: Wie können wir Produkte langlebiger machen? Die Antworten konzentrierten sich bislang vor allem auf widerstandsfähigere Fasern, bessere Verarbeitung und nachhaltigere Materialien. Doch was, wenn es bei der Langlebigkeit nicht nur darum geht, wie lange ein Produkt hält? Was, wenn es darum geht, wie viele verschiedene Leben es führen kann?
Besucher des Bereichs „Sustainable Innovation“ auf der Munich Fabric Start entdecken ein Projekt, das genau diese Frage mit „The Modular Costumes“ von Emilie Sandré Design in den Mittelpunkt stellt.
Design für die Fantasie
Für viele von uns begann das Verkleiden schon lange bevor wir ein Kostüm besaßen. Ein Schal wurde zum Umhang. Ein Gürtel wurde zum Schwert. Ein Paar viel zu große Schuhe verwandelte uns in jemand ganz anderen. Die Designerin Emilie Sandré erinnert sich noch gut an dieses Gefühl.
Als Kind hatte sie unendliche Freude daran, Schals, Schmuck und Accessoires aus dem Kleiderschrank ihrer Großmutter zu kombinieren, um sich eigene Figuren auszudenken. Doch bei den heutigen Kinderkostümen ist die Geschichte oft schon vorgeben: Pirat, Prinzessin oder Ritter – da bleibt wenig Raum für Fantasie. Die „Modular Costumes“ wurden entwickelt, um das zu ändern.
Anstatt fertige Kostüme zu entwerfen, hat Emilie ein System aus austauschbaren Modulen und Verbindungsstücken entwickelt, das Kinder selbst zusammenstellen können. Es gibt keine vorgegebenen Figuren, keine festgelegten Geschichten und keine Regeln außer der Neugier. Jede neue Kombination wird zu einer weiteren Gelegenheit, Geschichten zu erzählen.
„Ich entwerfe keine fertigen Produkte, sondern Systeme von Möglichkeiten, in denen der Nutzer zum Schöpfer wird.“
Modularität jenseits der Funktion
Modularität ist kein neues Konzept. Seit Jahrzehnten prägt sie Architektur, Möbel und Industriedesign. Ihre Anwendung auf weiche Textilien eröffnet jedoch eine ganz neue Dimension.
Jede Komponente von „The Modular Costumes“ wird in Paris aus luxuriösen Restbeständen und Musterbüchern lasergeschnitten, die sich sonst nur schwer wiederverwerten ließen. Der größte Beitrag des Projekts liegt jedoch nicht lediglich in der Wiederverwendung von Materialien.
Es ist die Idee, dass Produkte, die für eine kontinuierliche Neuerfindung konzipiert sind, von Natur aus nicht so schnell veralten. Ein Kostüm ist nicht länger ein einzelnes Objekt mit einem begrenzten Verwendungszweck. Es wird zu einem sich weiterentwickelnden kreativen System, das durch unendliche Kombinationsmöglichkeiten gemeinsam mit seinem Träger wächst.
Bei Innovation geht es schließlich nicht immer darum, etwas Neues zu schaffen. Manchmal geht es darum, aus einem Produkt viele zu machen.
Gestaltung für das Spiel
Der vielleicht überzeugendste Aspekt von „The Modular Costumes“ ist, dass das Spiel in den Mittelpunkt des nachhaltigen Designs gerückt wird.
In einer Welt, die zunehmend von digitalen Erlebnissen geprägt ist, lädt Emilie Kinder dazu ein, sich durch Berührung, Experimentieren und Fantasie mit Materialien auseinanderzusetzen. Das Anziehen wird zu einem kreativen Akt, der Neugierde statt Konsum fördert. Workshops in Schulen, Cafés und Ausstellungsräumen tragen diese Philosophie über das Produkt hinaus weiter und schaffen gemeinsame Erlebnisse, die Kreativität und Entdeckungsfreude zelebrieren.
Besucher, die vom 14. bis 16. Juli 2026 den Bereich „Sustainable Innovation“ auf der Munich Fabric Start erkunden, werden weit mehr als nur ein innovatives Kinderprodukt vorfinden. Sie werden eine andere Art entdecken, über Design selbst nachzudenken. Denn vielleicht lässt sich die größte Form der Langlebigkeit nicht in Jahren messen. Sie lässt sich in Möglichkeiten messen.
Man sollte sich vor Augen halten, dass die Produkte, die wir am meisten schätzen, oft diejenigen sind, die uns immer wieder überraschen – was uns wiederum dazu einlädt, sie lange nachdem sie in unser Leben getreten sind, neu zu gestalten, neu zu erfinden und uns sie neu vorzustellen.
DAS KÖNNTE FÜR SIE AUCH INTERESSANT SEIN:
Smart Textile Design – SUSTAINABLE INNOVATIONS
12. Juli 2026
Kreativität und Neugierde waren schon immer unsere Triebfeder. Unsere Arbeit entwickelt sich durch Prototypen weiter – sie ist nie abgeschlossen und wirft immer wieder neue Fragen zu Materialien, Prozessen und Möglichkeiten auf.
STUDIO ALICE GIELEN – SUSTAINABLE INNOVATIONS
11. Juli 2026
Diese Idee gewinnt zunehmend an Bedeutung, da künstliche Intelligenz und computergestütztes Design immer mehr Teil der kreativen Landschaft der Modebranche werden. Vielleicht geht es in der Zukunft gar nicht um den Gegensatz zwischen Mensch und Maschine. Vielleicht geht es vielmehr darum, zu lernen, wie man gemeinsam etwas schafft.
Leather from the Sea – SUSTAINABLE INNOVATIONS
10. Juli 2026
„Durch praktisches Experimentieren erkunde ich das Potenzial neuer Oberflächen und alternativer Lederformen, mit dem Ziel, das menschliche Leben wieder mit der Natur als einem miteinander verflochtenen Gefüge zu verbinden.“
Maison du Flock – SUSTAINABLE INNOVATIONS
9. Juli 2026
Das Atelier arbeitet mit den unterschiedlichsten Materialien – von zartem Tüll und Spitze bis hin zu Leder, Pailletten und anderen unkonventionellen Stoffen – und hat Flock zu einer zeitgemäßen Designsprache weiterentwickelt, die den Anforderungen der Luxusmode und der Haute Couture gerecht wird.
MUNICH FABRIC START – Januar 26 Abschlussbericht
30. Januar 2026
Eine solide Messe. Eine optimistische Stimmung. So lässt sich das Ergebnis der MUNICH FABRIC START zusammenfassen. Nach drei Tagen ging die Münchner Textilmesse gestern, Donnerstag, mit den integrierten Show-in-Shows BLUEZONE, KEYHOUSE und THE SOURCE zu Ende. Die MUNICH FABRIC START schloss mit einer im Vergleich zur Vorveranstaltung stabilen Besucherfrequenz ab.
MUNICH FABRIC START – Between Attitude and Sensuality
26. Januar 2026
Die Zukunft beginnt dort, wo wir sie neu erfinden. Das übergreifende Thema von PLEASURE steht für Mode als emotionalen Raum, als Ausdruck von Haltung und kultureller Reflexion.
Cartoon – Fashion for courage, joie de vivre and self-realisation
21. Januar 2026
Embark on this fashionable journey and discover the new Cartoon collection at our store. Be inspired, mix and match to your heart's content, and wear optimism—every day, for every occasion.
KnitForm+ by Jeanne Mora – SUSTAINABLE INNOVATIONS
20. Januar 2026
Entscheidend ist, wie das Textil reagiert: wie es das Volumen reguliert, den Druck verteilt und von flachen in dreidimensionale Zustände übergeht. Die Transparenz des Prozesses ist in der Methodik selbst verankert.
RETRAKT – SUSTAINABLE INNOVATIONS
19. Januar 2026
Leistung wird in diesem Zusammenhang anhand der organisatorischen Resilienz gemessen. RETRAKT nutzt Resilienz-Engineering, um Mitarbeitern dabei zu helfen, komplexe und sich ändernde Anforderungen zu antizipieren, zu überwachen, darauf zu reagieren und daraus zu lernen.
MATERIA FUTURA – SUSTAINABLE INNOVATIONS
18. Januar 2026
Materia Futura schlägt weder eine neue Kategorie von Biomaterialien noch ein fertiges kommerzielles Textil vor. Das Besondere an diesem Projekt ist seine designorientierte Untersuchung der emotionalen und ästhetischen Dimensionen biobasierter Materialien, ein Bereich, der in der Nachhaltigkeitsdebatte oft vernachlässigt wird.





















